2018 - Das Jahr im Weinberg

27. März

Endlich wieder Weinberg


Bei frühlingshaften Temperaturen und strahlendem Sonnenschein genieße ich den heutigen Dienstag im Weinberg und vollende den vor zwei Tagen begonnenen Rebschnitt.
Die eisigen Temperaturen Anfang des Monats, mit Tiefstwerten bis -16°C, haben dem sonst so empfindlichen Müller-Thurgau offensichtlich nicht so zugesetzt wie befürchtet. Praktisch alle Augen auf den zukünftigen Bogreben zeigen sich im Inneren grün.
Dieser Winter hat die Summe seiner Kältetage erreicht, entscheide ich, deshalb gehe ich von keiner bedeutenden Spätfrostgefahr aus und belasse dieses Jahr keine Frostrute am Stock.
Eine Auffälligkeit möchte ich nicht unterschlagen: Teilweise ist das obere Auge des Zapfen aus dem vergangenen Jahr nicht ausgetrieben, da habe ich wohl zu dicht am Auge geschnitten. Daraus lernt der Jungwinzer, weshalb ich dieses Jahr konsequent den Schnitt mindestens Daumenbreite über dem Auge platziere.
Rebschnitt 2018 beendet

15. März

Bundestagspetition - Endspurt


Eine Änderung des SGB VII macht es den rund 1500 sächsischen Kleinst- und Hobbyweinbauern seit dem Jahr 2015 schwer. Denn obwohl sie den Weinbau als erfüllende Freizeitbeschäftigung betreiben, werden die Hobbywinzer nun von der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) als Pflichtbeitragszahler zur Versicherung in der Berufsgenossenschaftlichen Unfallversicherung zur Kasse gebeten.
War bis 2015 laut Gesetzestext noch eine unternehmerische Tätigkeit Voraussetzung für die Veranlagung zur Unfallversicherung, ist diese nun entfallen. Die zwangsweise Unfallversicherung betrifft übrigens jeglichen Anbau von "Sonderkulturen". Die SVLFG hat mit den Weinbauern ein leichtes Spiel, da diese anders als z.B. Freizeit-Spargelbauer in der Weinbaukartei erfasst sind.
Schon haben erste Kleinwinzer wegen der unverhältnismäßigen Kosten die Konsequenz gezogen und Pachtverträge insbesondere für kleine und schwierig zu bewirtschaftende Rebflächen gekündigt.
 
Der Weinbauverband Sachsen wehrt sich mit einer Bundestagspetition gegen diese Zwangsabgabe - Die Winzergenossenschaft Meißen hat eine Musterklage auf den Weg gebracht um die Rechtmäßigkeit der Pflichtversicherung in der landwirtschaftlichen Unfallversicherung für Privatpersonen zu überprüfen.
 
Vom Weinbauverband Sachsen ist geplant die bisher gesammelten Unterschriften zur Bundestagspetition im April diesen Jahres an den Petitionsausschuss zu übergeben. Das heißt allen Liebhabern und Freunden des sächsischen Weins, bleibt nicht mehr viel Zeit um die Klein- und Hobbywinzer mit ihrer Unterschrift zu unterstützen.
Übrigens jeder darf die Petition mitunterzeichen - egal ob Winzer oder nicht Winzer, Weintrinker oder nicht Weintrinker. Nur das 18. Lebensjahr sollten Sie vollendet haben. Eine Unterschriftenliste, die Petition und weitere Informationen gibt es hier beim Weinbauverband Sachsen.

Wer noch tiefer in die Materie einsteigen möchte findet auf der Internetseite vom Weinberg am Lingnerschloss viele erhellende Informationen.

1. März

Das fängt ja gut an


Draußen im Weinberg ist es bei andauernden nächtlichen Temperaturen um -14°C und Tageshöchstwerten um -8°C trotz Sonnenschein zu ungemütlich zum Reben schneiden. Zeit sich mal mit der Steuererklärung für den "Weinbaubetrieb" zu beschäftigen.
Für die jungen Menschen, die die anstrengende Arbeit im Weinberg nicht scheuen und sich mit dem Gedanken tragen selbst eine kleine Rebfläche im Nebenerwerb zu bewirtschaften, führe ich hier das Thema Steuererklärung für den nebenberuflichen Weinbauer ein klein wenig detailierter aus. Da es wirtschaftlich nicht sinnvoll ist für einen kleinen Hobbyweinberg eigene Keltertechnik anzuschaffen wird der Kleinwinzer seine gelesenen Trauben bei einem größeren Weinbaubetrieb gegen Entgeld verarbeiten lassen oder die Trauben gegen Geld verkaufen.
Ich verkaufe meine geernteten Trauben an die Winzergenossenschaft Meißen. Daher wird im Folgenden auf diese Konstellation eingegangen.
Natürlich ist der Gewinn aus dem Verkauf von Trauben zu versteuern und genauso natürlich gibt es Ausnahmen:
1. Die Einkünfte aus Landwirtschaft werden nur berücksichtigt wenn sie einen Betrag von 900€ übersteigen und die Summe aller Einkünfte 30.700€ nicht übersteigt. Bei Zusammenveranlagung verdoppeln sich die Beträge. EStG §13 Abs. 3
2. Die Summe der Einnahmen eines Veranlagungszeitraumes liegt unterhalb des individuellen Steuerfreibetrags.
Bei mir trifft nun weder ersteres noch letzteres zu.

Nochmal auf den Punkt gebracht Gewinn = Einnahmen - Ausgaben. Und natürlich ist nur auf den Gewinn bzw. einem Teil davon Steuern zu zahlen.
Für die Gewinnermittlung der Nebenerwerbs- und Hobbyweinbauer ist die Anlage Weinbau zur Steuererklärung erforderlich. Die Anlage L ist nur für hauptberuflich tätige Landwirte vorgesehen. Damit entfällt für den Nebenerwerbswinzer auch die Möglichkeit der Gewinnermittlung nach Duchschnittssätzen entsprechend EStG §13a
Die Anlage Weinbau stellt nun im Prinzip ein Formblatt zur Gewinnermittlung nach dem Einnahmmen-Überschuss-Verfahren dar. Wobei die Betriebsausgaben entweder entsprechend der tatsächlich angefallenen Ausgaben oder anteilig mittels Richtbetrag für die Bebauung der Rebfläche erfasst werden können.
nix geht
Die ELSTER-Software ist aktuell allerdings noch nicht so weit, dass Flächen unter 1ha bei der Ermittlung der Betriebsausgaben aus dem Bebauungsrichtbetrag eingegeben werden können. Auch ist mir nicht bekannt, ob für das Weinbaugebiet Sachsen überhaupt aktuelle Bebauungsrichtbeträge veröffentlicht sind. So wird dem durchschnittlichen Klein- & Hobbywinzer nur die Aufschlüsselung der tatsächlich entstandenen Betriebskosten übrigbleiben. Und das ist auch gut so. So hat man wenigstens einen groben Überblick über die Kosten seiner Freizeitbeschäftigung.
Ich habe mir die Ausgaben aus dem vergangenen Jahr einfach in eine Tabelle geschrieben und dann Konten, die ich entsprechend der Zeilenbezeichnung der Anlage Weinbau bezeichne, zugeordnet. Das sieht dann ausschnitssweise so aus:
KontoDatumBuchungstextBuchwert
4730.12.2017Prüfungsgebühr Pflanzenschutz-Sachkunde80
6312.05.20174 Traubenlesescheren Felco 31049,26
4001.08.2017Pflanzenschutzmittel VitiSan 5kg2,12
4030.12.2017Wasserbedarf für Pflanzenschutz 2017; 1m³39,25
4718.04.2017Pflanzenschutz-Mehrweganzug + Handschuhe143,72
4218.07.2017Verwaltungskosten für Warndienst Weinbau12,00
Nummer63
Die Eingaben im ELSTER-Formular erfolgen mit Vorsteuer, also in der Regel inklusive 19% Umsatzsteuer.
Am Ende stehen in meinem ersten Wirtschaftsjahr dann Betriebsausgaben in Höhe von 1041,11€ und Einnahmen von 0,00€ auf dem Papier.
Naja, aller Anfang ist schwer, aber nun wisst ihr zumindest wie die Betriebsausgaben in der Steuererklärung zu berücksichtigen ist und das ist doch gar nicht so schwer.
Wie die Einnahmen korrekt zu buchen sind, erkläre ich euch wenn hier das erste Traubengeld fließt.
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